Nationalparks und abenteuerliche Pisten

27.09.2019 – 06.10.2019

Von Bariloche aus geht es weiter nordwärts. Im Wesentlichen folgen wir der Ruta Nacional 40, der mit insgesamt 5144 km längsten Straße der Welt. Von Zeit zu Zeit verlassen wir die oft gut ausgebaute Straße und erkunden die wundervolle Landschaft auf mal mehr und mal weniger abenteuerlichen Pisten, die fast unweigerlich in einen der zahlreichen Nationalparks führen.

Der Nationalpark „Los Arrayanes“ liegt nicht weit von Bariloche entfernt auf der Halbinsel Quetrihué im Lago Nahupel Huapi.Wir wollen es ruhig angehen und lassen uns mit dem Katamaran von Villa la Angostura aus hinfahren. Im Park wachsen noch viele der Arrayan-Bäume (Myrtenbäume), deren besonderes Merkmal ihre zimtfarbene Rinde ist und dem Wald einen besonderen Zauber verleiht. Einige der Bäume sollen mindestens 600 Jahre alt sein. Eine 12 km lange Wanderung führt uns zurück durch dichten Wald aus Coihue-Bäumen (Südbuche) und wir bewundern die Vielfalt der Pflanzen am Wegesrand. Die wenigsten davon konnte ich bislang identifizieren…

Weiter geht es auf der „Ruta de los Siete Lagos“ entlang der Seen mit wunderschönen Aussichtspunkten bis nach San Martín de los Andes.

Hier finden wir auch eine Gasfüllstation, deren netter Besitzer sehr pragmatisch und unkompliziert unsere deutschen Gasflaschen füllt (den passenden Adapter hatten wir allerdings vorsorglich selbst dabei).

Kurz danach machen wir noch einen kurzen Abstecher in den Nationalpark Lanín. Von Junín de los Andes aus geht es entlang des Lago Huechulafquen und wir haben immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den 3776 m hohen Vulkan Lanín. Heute hat er sich ein kleines Hütchen aufgesetzt, was sich bis zum Abend zu einem Sombrero auswächst. Wir finden bei Puerto Canoa einen winzigen Campingplatz direkt am See. Die Besitzerin begrüßt uns mit einem frisch gebackenem Weißbrot und dem WiFi- Passwort, welch interessante Kombination! So können wir nach einem kleinen Spaziergang und leckerem Abendbrot den Tag mit einem netten Plausch mit Freunden beschließen.

Auf der Ruta 23 fahren wir bis Aluminé. Am gleichnamigen See biegen wir auf den „Circuito Pehuenia“ ab und umrunden mehrere wunderschön gelegene Seen. Besonders beeindruckend sind die Araukarien-Wälder mit imposanten Exemplaren dieser stacheligen Gattung. Dieser kleine Umweg hat sich wirklich gelohnt!

Im weiteren Verlauf führt die 23 über einen 1750 Meter hohen Pass mit atemberaubenden Ausblicken. Mit zunehmender Höhe führt sie durch schneebedeckte Berge und es ist sehr stürmisch. Am Ende des Tages finden wir einen geschützten Platz für die Nacht. Die Überraschung am nächsten Morgen ist groß: Es hat geschneit und unser Auto parkt inmitten einer traumhaften Schneelandschaft. Natürlich haben wir ein wenig Sorge, auf dem Untergrund ohne Schwierigkeiten zur Straße zurück fahren zu können. Einige Hindernisse werden beiseite geschafft, ein kurzer Erkundungsgang stimmt optimistisch – und los gehts! Kein Problem für den Fahrer wie für das Auto und mir fällt ein kleiner Stein vom Herzen. Bei den Temperaturen hätte es sicher keinen großen Spass gemacht, auf ein Bergungsfahrzeug zu warten…

Die Straße ist leicht vereist, aber ein Räumfahrzeug ist schon zu früher Stunde unterwegs und macht den Weg frei.

Der Weg führt nun durch karge Gebirgslandschaft mit teilweise bunt schimmernden Bergen, vorbei an Vulkanen und Cañons. Unterwegs haben wir eine Begegnung der sonderbaren Art: Ein Mann steht am Berghang oberhalb der Straße und wirft Steine auf den Abhang. Wir vermuten, dass er dies in offizieller Mission tut, um lose Felsbrocken kontrolliert herunterstürzen zu lassen. Schöner Beruf!

Bei Las Lajas stoßen wir wieder auf die Ruta 40 und folgen ihr bis kurz vor San Rafael. Wir beschließen, einen kurzen Abstecher in den Cañon de Atuel zu wagen. Bis Nihuel ist es nur eine unbefestigte Straße, aber dann geht es in engen Serpentinen steil bergab, natürlich ohne Leitplanke! Die Piste ist oft so schmal, dass unser Auto gerade so die Kurve kriegt und ich bin heilfroh, dass uns auf dem Weg nach unten kein Auto begegnet! Die folgende Fahrt durch den Cañon ist unglaublich, steil ragen die Felswände links und rechts empor und wir sehen beeindruckende Gesteinsformationen unterschiedlichster Art. Am Ende des Cañons in Valle Grande ist ein Touristenzentrum entstanden, in dem die unterschiedlichsten sportlichen Aktivitäten angeboten werden, vor allem Rafting ist angesagt. Da die Temperaturen noch eher winterlich sind, ist noch nicht viel los und wir genießen die Fahrt entlang des Stausees.

Von San Rafael geht es weiter nach Mendoza. Die Gegend ist für unseren Geschmack nicht besonders reizvoll. Die Rebstöcke in dem für den Weinanbau bekannten Gebiet haben noch nicht ausgeschlagen und es ist noch alles winterlich kahl und kühl. In Mendoza wollten wir eigentlich eine kleine Pause einlegen. Es gibt einen zentral gelegenen Campingplatz in einem Park, der von vielen Overlandern empfohlen wird. Uns erschlägt die Hektik der Großstadt und wir flüchten doch wieder in die Wildnis. Da wir auch keine großen Weinfans sind, vermissen wir auch den Besuch eines der zahlreichen Weingüter nicht wirklich.

Natürlich begeben wir uns wieder auf eine Nebenstrecke, fahren auf der Ruta 52 Richtung Uspallata und freuen uns an der unendlichen menschenleeren Weite Argentiniens. Die Straße führt durch den Nationalpark Villavicencio, für den wir ausnahmsweise mal keinen Eintritt bezahlen müssen. Die Straße verwandelt sich schnell in eine Piste und entpuppt sich im Mittelteil als ebenso enge, unbefestigte zum Teil sehr steile Serpentinenstraße wie die im Cañon Atuel. Im Unterschied dazu schraubt sich die Piste über 40 km 1300 Meter hoch, bis wir auf gut 3000 Metern den höchsten Punkt des Passes erreichen. Die Aussicht auf die uns umgebenden Berge ist grandios und ich schwanke zwischen totaler Begeisterung und leichten Panikattaken angesichts des Abgrundes direkt neben mir. Aber auch diese Piste wird von Walter bravourös gemeistert und wir bekommen anerkennende hochgereckte Daumen von entgegenkommenden Fahrzeugen. Ab und zu ist es sogar möglich, kurz anzuhalten um ein paar Fotos zu schießen. Die Guanacos und der Fuchs, die uns auf dem Weg begegnen, sind nicht ängstlich und posieren bereitwillig für eine Aufnahme. Pumas sehen wir leider nicht, aber wir wissen jetzt, wie wir uns verhalten müssen, falls wir je einem begegnen sollten!

Für die Nacht fahren wir noch ein Stück die Straße bergab, da sich bei mir leichte Kopfschmerzen breit machen, aber vielleicht war es auch nur der Mangel an Flüssigkeit – vor lauter Begeisterung haben wir stundenlang nichts getrunken…Wir finden ein geschütztes Plätzchen und genießen mal wieder einen farbenprächtigen Sonnenuntergang mit Blick auf die 800 Meter unter uns liegende Stadt Uspallata.

Von Uspallata aus machen wir einen Abstecher in den Nationalpark „El Leoncito“. Der Campingplatz dort ist sehr schön gelegen, hat aber keinen Stromanschluss. Wir müssen dringend unsere diversen Geräte aufladen und sehen uns nur kurz im Park um, ehe wir nach Barreal weiterfahren.

Auf dem Camping Municipal sind wir die einzigen Besucher, er ist aber geöffnet und wir legen eine längere Pause ein. Es gibt heißes Wasser in den Duschen, aber leider keine Heizung trotz 4 Grad am Morgen – irgendwas ist ja immer. 😉.

Unterwegs zum Parque Provincial Ischigualasto stellen wir fest, dass es deutlich wärmer wird, zumindest tagsüber. Blühende Sträucher sind in die karge Landschaft hineingetupft und für die Mittagspause brauchen wir schon ein schattiges Plätzchen. Dort sehen wir auch zum ersten Mal einen Kondor seine Kreise über uns ziehen.

Ischigualasto bedeutet „Land ohne Leben“ und der Park umfasst ein Wüstental zwischen zwei Bergketten aus Sedimentgestein. Hier hat es seit Februar keinen Tropfen Regen gegeben und das Flussbett des Rio Ischigualasto ist vollkommen ausgetrocknet. Den Park kann man nicht allein erkunden, daher melden wir uns für eine der stündlich stattfindenden geführten Touren an und fahren mit einem Guide und einer Kolonne von 7 weiteren Autos in das Tal. Die Landschaft ist von Erosion geprägt und überall sieht man unglaubliche, scheinbar der Schwerkraft trotzende Felsformationen. Was mindestens genau so faszinierend ist, sind die Farbspiele der unterschiedlichen Gedsteinsarten von zart grün und rosa über erfrischendes mausgrau bis hin zu den dunkelroten Felswänden der Cerros Colorados.

Die Erosion hat in dem Tal etliche Dinosaurier-Fossilien freigelegt. Eines davon wird uns im Original im Museum des Parkes präsentiert und ein sicher sehr lehrreicher Vortrag (leider nur auf spanisch) informiert über die Arbeit der Paläontologen. Weitere Exemplare kann man in einem weiteren kleinen Museum am Eingang des Parkes bestaunen.

3 Kommentare zu „Nationalparks und abenteuerliche Pisten

  1. Heide Wenz-Hirt Oktober 5, 2019 — 19:20

    Wow, welch tolle Eindrücke. Und du beschreibst alles so schön, Martina!

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  2. Hallo Ihr Abenteurer, eine schöne Überraschung am Frühstückstisch am Sonntagmorgen von Euch zu hören (und zu sehen!!!). Vielen Dank für Euren Reisebericht und die sensationellen Bilder. Bin schon sehr gespannt auf Eure nächsten Meldungen. Weiterhin alles Gute und viele schöne Eindrücke und Begegnungen.
    Leonie

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  3. Also, das ist wirklich der Hammer – Ihr postet zusammen in einem Guß, was für einen ganzen Urlaub gereicht hätte. Spricht Bände über die Eindrücke, die Ihr täglich erlebt. Sehr schön und ausgesprochen interessant. Der Puma hätte auch gefährlich werden können. Da ist der Fuchs vorzuziehen. Bueno camino! Eure SuM

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