Go West – Wir ziehen weiter

28.06.2022 – 14.07.2022

Im Prinzip geht es jetzt immer weiter Richtung Westen, nur zwischendurch fahren wir nochmal ziemlich weit in den Norden.

Die Landschaft ist weiterhin geprägt von borealen Nadelwäldern, unterbrochen von riesigen Seen und endlosen Flüssen. Entlang der Straßen und auf den Stellplätzen hat sich ein Meer von bunten Blumen ausgebreitet, zauberhaft!

Die Temperaturen sind hochsommerlich und bringen jede Menge Mücken und Horseflies hervor, was das Outdoorleben etwas trübt.

Die Stationen auf dem Weg:
Palmarolle, ein öffentlicher Stellplatz mit vielen skurrilen Regeln.

Island Falls

Ein Ausflug in die Wildnis am Arnott Lake führt uns zwar auf abenteuerlichen Pisten durch den Wald aber letztendlich nicht auf einen schönen Platz. Der Fahrer wie immer souverän und Sleipnir bringt uns zuverlässig durchs Gelände. Die Copilotin musste sogar umgefallene Bäumchen beiseite räumen- aber wegen der Mückenplage hatte ich leider keine Muße für Bilder.

Zurück auf der befestigten Straße bleiben wir auf einem Rastplatz für die Nacht.

Sturgeon River
Den Nationalfeiertag verbringen wir abseits der Zivilisation, spät am Abend hören wir aus der Ferne das Feuerwerk aus dem nächsten Ort, sehen aber nix.


Eine schöne Straße am Lake Superior führt uns nach Thunder Bay.

Wir besuchen die Kakabeka Falls und machen einen kurzen Spaziergang entlang der Portage Route. Die Kanus und später auch andere Boote wurden vom Wasserfall aus durch den Wald hinunter zum Fluss getragen.

Nach einer gemütlichen Rast und Kaffeepause am See und etlichen Fahrstunden ist immer noch kein schöner Stellplatz in Sicht.

Nun muss es mal der Walmart Parkplatz sein. Auf allen Walmart Parkplätzen ist das Übernachten erlaubt, sofern es nicht ausdrücklich verboten ist. Wir sind nicht die einzigen, es hat schon einen speziellen Charme und natürlich gibts immer WiFi.

Kurz vor Winnipeg schlagen wir uns wieder in die Büsche und bleiben an einem Baggersee.

Winnipeg

Wir parken Sleipnir auf einem zentral gelegenen Parkplatz und können bequem die Stadt zu Fuß erkunden.

Winnipeg liegt sehr hübsch am Fluss, wo man wunderbar flanieren und relaxen kann.


Im Fort Garry Heritage Park besichtigen wir die Überreste des alten Forts und eine interessante optisch-akustische Kunstinstallation.


Das kulinarische Angebot in The Forks Market ist groß und für jeden etwas dabei. Einige weitere Läden verlocken zum Konsum, Reizüberflutung nach viel Wildnis ist garantiert!


Der Besuch im Museum for Human Rights ist sehr zu empfehlen, eine tolle Ausstellung in einem architektonisch spannendem Gebäude. Über 7 Stockwerke windet sich ein raffiniert gestalteter Weg in die Höhe. Die letzten Meter kann ich nur im Fahrstuhl bewältigen, die Treppenstufen sind nur durch Glasscheiben vom Abgrund getrennt…

Das Museum bietet viel Informationen zur Geschichte der Menschenrechte, viele Aspekte wie kulturelle Identität, Frauenrechte, bis hin zum Völkermord (eine ganze Ebene ist dem Holocaust gewidmet) werden beleuchtet und regen zum Nachdenken an.

Etliche Stationen sind interaktiv und vermitteln anschaulich die verschiedenen Themenbereiche.

Eine besonders interessante Videoinstallation beschreibt den Kreislauf des Lebens aus Sicht einer Person der First Nations und erklärt deren spezielle Verbundenheit mit der Natur und dem respektvollen Umgang damit.

Unser Weg nach Westen wird durch einen Ausflug nach Churchill im Norden Manitobas unterbrochen. Wir wollen die Belugas sehen, die sich dort im Sommer aufhalten.

Die Straße führt uns in 2 Tagen von Winnipeg nach Thompson, dort hört sie auf und es geht nur noch mit dem Zug weiter. Da die Züge nicht jeden Tag fahren, entschließen wir uns für einen „Daytrip“.

Wir fahren 16 Stunden mit dem Zug nach Churchill, bleiben dort den Tag über und fahren abends wieder zurück. Für die Hinfahrt buchen wir ein Schlafabteil, was zwar wie der gesamte Zug schon etwas in die Jahre gekommen ist, aber doch recht komfortabel ist.

Sleipnir bleibt für die Zeit auf dem Campingplatz in Thompson zurück. Der freundliche Besitzer fährt uns morgens auch zum Zug und wird uns auch wieder abholen. Für die Zeit nimmt er auch nur eine kleine Gebühr von 10,00 CAD pro Nacht, toller Service.


Für die Rückfahrt war keine Kabine mehr frei, wir konnten nur einen normalen Sitzplatz buchen, was nach einem erlebnisreichem Tag auch o.k. ist, man kann ja auch im Sitzen ein bisschen schlummern.

Der Zug fährt mit 2 Stunden Verspätung los, weil auf der Strecke ein Waldbrand gemeldet wurde. Er ist schnell unter Kontrolle und unsere Befürchtung, eventuell nicht rechtzeitig in Churchill anzukommen, verflüchtigen sich. Wir genießen die Fahrt auf dem Panoramadeck mit großartigem Rundumblick auf die endlosen Wälder, ab und zu unterbrochen von einigen Seen und Flüssen. An wenigen Ortschaften auf der Strecke hält der Zug an und die Anwohner erwarten den Zug schon freudig, bringt er doch alle möglichen Waren für sie mit.

Nach einer kurzen Schlafpause frühstücken wir mit Ausblick auf die nun in Tundra übergegangene Landschaft.

Eine Zugfahrt, die uns noch lange im Gedächtnis bleiben wird!

Wir haben uns für eine Whale Watching Zodiac-Tour entschieden, die uns für 2 Stunden durch die Hudson Bay und in die Flussmündung des Churchill Rivers führt. Wer möchte, kann sich auch mit dem Kajak, dem Stand up Paddleboard oder sogar schwimmend den Belugas nähern…

Wir sind zufrieden mit dem Zodiac und voller Vorfreude auf die freundlichen weißen Wale. Zunächst sind wir erstaunt, dass noch so viel Eis in der Hudson Bay treibt, aber es ist toll, bei strahlendem Sonnenschein durch die Eisschollen zu manövrieren.


Wir fahren am Prince of Wales Fort vorbei, einer 1770 erbauten Festung. Die erste Wildtiersichtung ist ein Adler, der sich auf einem Felsen in Positur setzt, einige andere Vögel und eine Robbe


Wenig später sichten wir tatsächlich einen Eisbär, der auf das Ufer zu schwimmt. Im Sommer sind nur selten Eisbären zu sehen, wir haben also riesiges Glück! Vorsichtig nähern wir uns mit dem Zodiac und können beobachten, wie er gemächlich an Land geht. Er macht noch ein paar Faxen extra für uns und trollt sich dann. Wir können noch lange erkennen, welchen Weg er nimmt, wird er doch von einer kreischenden Gruppe angriffslustiger Vögel verfolgt.


Noch ganz beeindruckt von dem Erlebnis gilt nun unsere Aufmerksamkeit dem eigentlichen Ziel unserer Tour, den Belugas. Bis zu 3000 von ihnen bevölkern jeden Sommer die Mündung des Churchill River. Die nach ungefähr 3 Jahren glänzend weißen, ca. 4 Meter langen Tiere sind so neugierig wie Delphine und so stimmgewaltig wie ihr Spitzname „Kanarienvögel der Meere“ vermuten lässt. Unser Guide hat ein Unterwassermikrofon dabei und tatsächlich ist ein beeindruckendes, melodiöses andauerndes Gezwitscher zu hören, spektakulär!

Zunächst haben wir noch etwas Mühe, die Belugas zwischen den Eisschollen zu entdecken, sie sind ganz schön gut getarnt! Aber je näher wir ihrem Gebiet kommen, desto einfacher wird es- sie sind tatsächlich sehr zutraulich und schwimmen auf uns zu und dicht am Boot vorbei. Häufig sind sie in Gruppen unterwegs und man kann viele Jungtiere an ihrer noch grauen Färbung erkennen. Im Gegensatz zu ihren großen Verwandten sieht man keine Fluke, wenn sie abtauchen und sind auch bedeutet schneller. Irgendwann gebe ich das Fotografieren auf und genieße einfach nur die Begegnung mit diesen beeindruckenden Meeresbewohnern!

Nach 2 Stunden sind wir zurück an Land, bummeln noch ein bisschen durch Churchill, das erstaunlich breite Straßen hat – obwohl nur die ca. 800 Einwohner mit ihren Autos herumfahren können.


In der Lazy Bear Lodge nehmen wir noch ein frühes Dinner zu uns, ich probiere mal Bison- ganz lecker.

Der Zug fährt um 19:00 h wieder zurück nach Thompson.

Wir werden wie versprochen, am Mittag vom Zug abgeholt und bleiben noch einen weiteren Tag auf dem Campingplatz, in Ruhe die Erlebnisse verdauen und richtig ausschlafen. Die Nacht im Zug war doch etwas unruhig.

Wir fahren am nächsten Tag erst mal ein Stück nach Süden und biegen dann wieder ab: Go West!

Gleich am ersten Übernachtungsplatz an einem See können wir einen Biber beobachten, der seine Bahn durchs Wasser zieht. Kurz bevor wir uns zur Ruhe begeben wollen, sehen wir zufällig noch mal aus dem Fenster und tatsächlich erscheint ein grün leuchtendes Band am Himmel: Nordlichter!!! Völlig aufgeregt schnappe ich mir die Kamera und stürze nach draußen. Weil ich nur leicht bekleidet bin, sind sofort Myriaden von Mücken um mich herum, aber in meiner Begeisterung ignoriere ich sie erst mal und versuche das Spektakel einzufangen. Um in Ruhe Fotos zu machen, müsste ich das Stativ aufbauen, aber soweit geht mein Enthusiasmus denn doch nicht. Wir schauen noch ein bisschen durchs Fenster zu, nur unterbrochen vom Erschlagen der Mücken, die ich zahlreich mit ins Auto gebracht habe…grrrrr

In Flin Flon machen wir eine kurzen Spaziergang um den See und besuchen das Eisenbahnmuseum.

Der Ort ist nach einer Comic Figur benannt, die irgendwie im Zusammenhang mit der Gründung der Stadt auf Grund der großen Vorkommen an Bodenschätzen steht.

Wir verlassen Manitoba, weiter geht es durch die endlose Wälder Saskatchewans, in denen immer mal einfache Camps zu sehen sind. Wir fragen uns, wer hier wohl wohnt, und wovon diese Menschen leben. Oder sind es nur einfache Variationen von Sommerhäusern? Fragen über Fragen, die wir leider nicht beantwortet bekommen.

Auf der Straße gibt es auch interessante Begegnungen: Ganze Häuser fahren vorbei und eine Mähmaschine nebelt uns ein, dafür sieht es hinterher auch sehr gepflegt aus!

Allmählich weicht die Taiga mehr und mehr bewirtschafteter Landschaft, viele große Bauernhöfe sind zu sehen. Besonders die leuchtend gelben Rapsfelder sind eine schöne Abwechslung für die Augen.

Am Makwa See besucht uns abends wieder ein Biber. Diesmal klettert er für uns aus dem Wasser und mümmelt zufrieden das Gras am Uferrand.

Auf dem Weg zum Lesser Slave Lake Provincial Park läuft uns ein Braunbär über den Weg und es gelingt mir mal ein akzeptables Foto. Die Kraniche sind nicht so scheu und besser zu fotografieren. Bisons sehen wir leider (noch) nicht, nur das Schild warnt uns schon mal…

Wir bleiben für eine Nacht auf dem Stellplatz im Park und genießen das Strandleben.

Unser Weg wird uns demnächst wieder in den Norden führen, über den Great Slave Lake zum Dempster Highway bis zum Arktischen Ozean. Wir sind gespannt…

2 Kommentare zu „Go West – Wir ziehen weiter

  1. Liebe Leute (oder sollte ich sagen… liebe Co-Pilotin! 😉 Das war wieder ein sehr lebhafter und bildgewaltiger Reisebericht, der so vieles und interessantes zu tage bringt. Den Eisbären haben wir ja schon im Video gesehen. Und Biber… dafür ist Kanada ja besonders berühmt. Ich hatte keine Ahnung, dass Ihr für den Abstecher nach Churchill einen Zug nehmen musste. Abwechslungsreich scheint es jedenfalls zu sein. Viel Spass weiterhin und Gute Fahrt! 👍👍👍

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  2. Vielen Dank lieber Matthias, wie Du weißt steckt viel Arbeit unserem Blog. Daher freuen wir uns immer riesig über ein entsprechenden Feedback. LG WuM

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