Türkei- Kultur bewegt

09.03.2024 – 22.03.2024

Am frühen Morgen erreichen wir die türkische Grenze.

Die Passkontrolle ging fix, die Fahrzeugkontrolle dauerte ziemlich lange.

Die „grüne Versicherungskarte“ wurde kontrolliert, der Inhalt des Autos nur kurz überprüft.

Das Röntgen blieb uns erspart- einige mussten ihr Fahrzeug komplett leerräumen, bevor es durchleuchtet wurde. Glück gehabt!

Die Uhr wurde noch mal um eine Stunde vorgestellt.

Ein Blick auf die Wetterkarte zeigt uns für den Norden der Türkei ziemlich kühles Wetter an und wir beschließen, erst mal Richtung Süden zu fahren.

Wir überqueren die Dardanellen auf der neuen Brücke und müssen noch ein ganzes Stück fahren.  Als wir endlich unseren angepeilten Platz am Meer erreichen, ist es schon dunkel aber am nächsten Morgen frühstücken wir entspannt mit toller Aussicht.

Da wir unbedingt eine SIM-Karte brauchen: Maut einrichten, Kommunikation mit der Welt und vieles andere mehr, und Sonntag ist, fahren wir zum Flughafen nach Izmir.

Um die Maut einzurichten, hat man 7 Tage Zeit und kann dann die angefallenen Gebühren bequem online bezahlen.

Unser nächstes Ziel ist Ephesus und ganz in der Nähe können wir am Strand übernachten.

Heute ist der Beginn des Ramadans und wir sind sehr gespannt, ob und wie es Auswirkung auf unsere Reise hat. Am Strand jedenfalls sind zahlreiche Familien, die schon am Nachmittag den Grill anschmeißen und das warme Wetter genießen.

Am nächsten Morgen besuchen wir Ephesus, der Beginn einer Entdeckertour durch allerhand antike Stätten: Kultur bewegt nicht nur im übertragenen Sinn!

Der Eintritt ist mit 40,00 € echt happig, aber wir lassen uns das Erlebnis nicht vermiesen.

Die Geschichte der Besiedelung geht zurück bis ins 7. Jahrtausend v. Chr. Die ersten Gebäude sind im 2. Jahrhundert entstanden und unter griechischem-römischen Einfluss entwickelte sich die Stadt ständig weiter. Das riesige Amphitheater (mit Platz für 25.000 Zuschauer) und die sehr schön restaurierte Bibliothek sind die markantesten Beispiele. Aber auch die kleineren Gebäude, Plätze und Tempel vermitteln einen guten Eindruck, wie sich das Leben in der antiken Stadt abgespielt hat. Besonders beeindruckend war, dass die Wohnhäuser zum Teil mit fließend Wasser versorgt und die Abwasser entsorgt wurden. Die Leitungen kann man noch im Original bestaunen. Heute zählt die Archäologische Stätte zum Weltkulturerbe.

Die nächste Etappe führt uns zur wunderschönen Datca Halbinsel, wo wir auf einer Landzunge einen perfekten Platz finden. Von beiden Seiten vom Meer umgeben, genießen wir den Tag.

Am nächste Morgen geht es nach Kaunos, eine weitere antike Stätte. Im Vergleich zu Ephesus ist der Eintritt mit 3,00 € sehr günstig, aber dennoch sehr empfehlenswert für einen entspannten Rundgang durch das Areal.

Die etwas weiter entfernte Nekropole – in den Fels gehauene karische Königsgräber –  stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und können nur von Ferne bestaunt werden.

Die Weiterfahrt über einen Fluss nach Dalyan gestaltet sich ein wenig abenteuerlich. Sleipnir passt gerade so auf die winzige Fähre und die Frage nach dem Gewicht hat mich etwas irritiert.

Natürlich ist es gut gegangen und wir fahren noch ein Stück bis zu unserem Übernachtungsplatz oberhalb des Iztuzu Strandes mit wunderbarem Blick auf denselben.

Der Strand gehört zu den Nistplätzen der Unechten Karettschildkröte. Während der Paarungs- und Schlupfzeit ist der Strand nachts für Besucher gesperrt.

Das „Sea Turtle Research, Rescue and Rehabilitation Center“ ist für den Schutz der Schildkröten zuständig. Eine nette Mitarbeiterin führt uns durch das kleine Museum und erzählt Interessantes über die Arbeit in der Station. So werden hier zum Beispiel Schildkröten mit Sendern versehen, um die Wanderungen zu verfolgen. Außerdem können wir einen Blick auf die großen Bassins werfen, in denen verletzte Tiere gesund gepflegt werden.

Wir verlassen nun das Mittelmeer und fahren Richtung Norden. Das erste Ziel ist der Kratersee Salda Gölü auf ca. 1.000 m Höhe.

Es ist nicht mehr weit bis Pamukkale und wir nutzen das schöne Wetter zu einem ausgiebigen Rundgang entlang der Sinterterrassen und durch die antike Stadt Hierapolis.

Ein Abschnitt der türkisblau leuchtenden und mit strahlend weißen Kalkablagerungen umgebenen Bassins darf betreten werden- allerdings nur barfuß! Das Wasser in den oberen Becken ist angenehm warm und es wird tatsächlich von einigen für ein Bad genutzt. Wir begnügen uns mit einem Fußbad und balancieren über das harte Gestein den Berg hinunter.

Einige Becken nebenan sind nicht mit Wasser gefüllt und sehen leer nicht ganz so prächtig aus. Offensichtlich wird das Wasser gezielt in bestimmte Regionen geleitet, wir beobachten zwei Angestellte, wie sie die Zuflüsse regulieren.

Auf der anderen Seite ist eine der Bilderbuchterrasse zu bewundern, wundervoll beleuchtet von der Sonne in einem fantastischen Ambiente.

Die Sinterterrassen waren schon in der Antike ein beliebtes Ziel, auch Kleopatra soll hier ein Bad genommen haben.

Die Stadt Hierapolis liegt in unmittelbarer Nähe auf dem Gelände und zahlreiche Gebäude zeugen von vergangener Pracht.

Natürlich darf das obligatorische Amphitheater nicht fehlen und eine offensichtlich erst kürzlich restaurierte Appollo-Statue wacht über das Gebiet.

Wir nehmen noch einen kleinen Mittagsimbiss zu uns, was auch trotz Ramadan kein Problem ist. Ermattet von wieder mal so viel kultureller wie auch körperlicher Bewegung machen wir noch einen Zwischenstopp im Touri-Shop (Walter braucht einen neuen Hut) und fahren zu unserem Übernachtungsplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Terrassen mit tollem Blick auf dieselben. Es ist wirklich unglaublich, dass wir in unmittelbarer Nähe des Weltkulturerbes frei stehen können! Nachts sogar mit Beleuchtung.

Am nächsten Morgen werden wir von den Geräuschen beim Befüllen etlicher Heißluftballons geweckt, die sich auf einem Parkplatz unterhalb unserer Position für einen Abflug bereit machen. Ein imposantes Spektakel zum Abschied!

Es geht weiter Richtung Osten, das Wetter ist prima, allerdings deutlich kühler als am Mittelmeer.

Wir erreichen Kappadokien und die Wahl eines geeigneten Platzes ist nicht einfach. Zum einen gibt es einfach unglaublich viele schöne Stellplätze, aber meine Höhenangst macht es mir unmöglich, zu dicht am Abhang zu stehen. Wir wählen einen Platz oberhalb eines der zahlreichen Ballonstartpunkte.

Es ist auch möglich, direkt dort zu parken, aber der Trubel beginnt schon um 5 Uhr morgens mit viel Gewusel und Krach. Wir blicken daher von oben entspannt auf das grandiose Schauspiel. Da es noch dämmerig ist, ist das Befüllen der Ballons besonders beeindruckend: die Flammen lassen die Ballons leuchten wie riesige Laternen!

Wir beobachten noch eine Weile den Flug der ca. 100 Ballons, die in alle möglichen Richtungen aufbrechen (wie geht das überhaupt?) und wärmen uns an einer heißen Tasse Kaffee beim Frühstück auf.

Anschließend besuchen wir das Freilichtmuseum in Göreme, auch wieder ein Unesco Weltkulturerbe und natürlich wieder sehr bewegend.

Auf dem weitläufigen Gelände kann man zahlreiche „Gebäude“ besichtigen, die in die Tuffsteinformationen höhlenartig hineingearbeitet wurden. Die Räume dienten den ersten Christen hier um 400 n. Chr. als Zufluchtsort vor ihren Feinden. Es entstanden riesige Anlagen, die bis zu 10 Stockwerke tief untereinander verbunden waren. Es gab Einrichtungen wie Gemeinschaftsküchen, Ess- und Schlafräume, Ställe und Grabstätten. Auf dem Höhepunkt der Besiedelung bot sie Platz für mehrere 1000 Menschen.

Natürlich wurden auch zahlreiche Kirchen und Kapellen angelegt und ständig neue hinzugefügt, wie die wohl berühmteste unter ihnen: die um 1100 entstandene „Dunkle Kirche“ mit wunderschönen Wandgemälden.

Das Fotografieren in den Kirchen ist nicht gestattet, aber in den anderen Räumen darf man Bilder machen.Es braucht nicht viel Fantasie, sich die Menschen zum Beispiel beim gemeinsamen Mahl an den meterlangen Steinbänken und einem Tisch in der Mitte vorzustellen.

Anschließend fahren wir noch ins „Love Valley“ mit den wirklich bemerkenswerten Felsformationen.

Wir bleiben dort noch eine Nacht und einen Morgen ohne Ballons.

Über Kayseri geht es durchs verschneite Gebirge nach Darende, einer hübschen kleinen Stadt.

Von hier aus kann man einen kleinen Spazierweg in die Tohma-Schlucht unternehmen. Schön angelegte Wege führen entlang eines Flusses an den steilen Felswänden vorbei. Ein altes Wasserrad dreht sich malerisch im Wasser.

Die Badeanstalt ist noch geschlossen, aber da Frauen nur mittwochs schwimmen dürfen, hätte ich das Erlebnis sowieso verpasst…

Wir sind die einzigen Touristen und es ist noch kein Restaurant oder Kaffee geöffnet. Nur die Moschee hat großen Zulauf.

In der kleinen Einkaufszeile gönnen wir uns ein paar der leckeren Süßigkeiten.

Weiter geht es Richtung Norden durch eine faszinierende Berglandschaft.

Abends bleiben wir am kleinen See Todurge Gölü.

Zum ersten Mal werden wir von einer Polizeistreife kontrolliert – die freundlichen Polizisten  sehen sich nur die Pässe an und erklären, dass es kein Problem sei, hier zu übernachten.

Der Weg am nächsten Tag durchs Gebirge ist abenteuerlich. Über einen verschneiten Pass auf 1.925 m Höhe fahren wir auf schmalen Straßen ohne Leitplanken entlang der steilen Abgründe. Oftmals sind ganze Abschnitte der Straße weggespült und abgebrochen und sie hat urplötzlich nur noch eine Spur. Bauarbeitertrupps sind unterwegs damit beschäftigt, die massiven Schäden auszubessern.

Bei Giresun stoßen wir auf die Schwarzmeerküste.

Die Suche nach einem Übernachtungsplatz gestaltet sich hier ziemlich schwierig, die Küste ist stark bebaut und die große Straße am Meer entlang bietet so gut wie keinen direkten Zugang zum Meer. Die Parkplätze sind eher unschön und total vermüllt.

Wir finden tatsächlich einen akzeptablen Platz und machen uns Gedanken, wie es weitergehen soll.

Eine Option ist, noch mal ins Landesinnere zu fahren und auf dem Weg nach Georgien das Sumela Kloster zu besichtigen. Allerdings regnet es immer noch und die Wolken hängen tief. Die Aussicht auf das spektakulär in die Felswand gebaute Kloster wäre sicher schlecht bis nicht vorhanden. Kurz entschlossen nehmen wir Kurs auf die georgische Grenze und verlassen die Türkei am Grenzübergang bei Sarp.

Ein paar allgemeine Bemerkungen zu unserer Reise durch die Türkei:

Das Land hat uns positiv überrascht mit seinen ganz unterschiedlichen Landschaften: Spektakuläre Gebiete wie Pamukkale und Kappadonien, wilde Gebirgsregionen mit tiefen Seen und abenteuerlichen Straßen im Landesinneren, herrliche Strände am Mittelmeer.

Die Vielzahl der archäologischen Stätten hat uns nicht nur im übertragenen Sinn sehr bewegt- wir sind lange nicht mehr so viel gelaufen…

Super war, dass wir überall frei stehen konnten und eigentlich fast immer einen schönen Platz zum Übernachten gefunden haben. Sehr hilfreich wie immer Park4night und iOverlander.

Ganz besonders möchten wir auch den Reiseführer: Türkei Overland von Valeria und Lukas erwähnen. So viele tolle Tipps und wunderschöne Stellplätze mit Koordinatenangaben, echt Klasse!

Das Leben ist sehr günstig hier, sowohl Lebensmittel (1 Brot- 0,30 €, frische Orangen 0,80 €/kg) als auch der Diesel (1,20 €/l) sind unschlagbar günstig. Die Menschen hier sind sehr freundlich und wenn wir mit Händen und Füßen nicht mehr weiterkommen, hilft der bekannte Übersetzer im Taschenformat.

Frisches Trinkwasser konnten wir problemlos an den zahlreich vorhandenen Trinkwasserbrunnen bekommen, die Qualität muss sehr gut sein, füllen sich die Einheimischen  auch ihren Tagesbedarf in Plastikflaschen ab.

Die allgegenwärtigen Hunde tauchen fast an jedem Platz auf, gerne auch in kleinen Rudeln. Sie sind aber in der Regel friedlich.

Nicht so schön ist, dass fast überall reichlich Müll in der Gegend rumliegt, man kann eigentlich nicht dagegen ansammeln…

4 Kommentare zu „Türkei- Kultur bewegt

  1. Avatar von Gertrud Wolf

    Toller Bericht aus der Türkei, wirklich ein vielfältiges Land mit netten Menschen. Die Fluchtanlagen der Christen fand ich bei unserem Besuch dort sehr interessant und berührend und sich vorzustellen, wie das Leben dort gelebt wurde, war schon beeindruckend. Euch weiterhin viel tolle Eindrücke.

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  2. Avatar von Matthias Ullrich
    Matthias Ullrich März 24, 2024 — 19:24

    was für ein informativer und toll bebilderter erster Bericht. Auch eine gute Idee, das ganze Land zusammen zu fassen. Bei den Sinterterrassen musste ich unweigerlich an die Mauer im Norden denken. So schneeweiss! Wirklich grossartige Bilder! Freue mich dann schon auf den Georgien-Teil! Gute Reise weiterhin! Sabine und Matthias

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  3. Avatar von Simone

    Vielen Dank für den tollen Bericht und genau zur richtigen Zeit. Wir haben heute den ganzen Tag unseren Weg durch die Türkei geplant für Mai. Weiterhin gute Fahrt und tolle Eindrücke. Liebe Grüße Simone und Thomas

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  4. Avatar von Ulle

    Was für ein toller und lebendiger Bericht, als ob man förmlich dabei ist. Vielen Dank für die beeindruckenden Bilder, bleibt gesund und weiterhin gute Fahrt.

    Grüße von Tina & Ulle

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