Georgien

22.03.2024 – 07.04.2024

Da es noch immer heftig regnet und die Sicht ziemlich trüb ist, verzichten wir auf den Besuch des Sumela Klosters und verschieben ihn auf die Rückreise. Also direkt nach Georgien!

Auf dem Weg zur Grenze sehen wir wieder endlose LKW-Schlagen, in die wir uns aber glücklicherweise nicht einreihen müssen. An der Grenze muss ich das Fahrzeug verlassen und zu Fuß durchs Terminal zur Passkontrolle.

Auf der georgischen Seite warte ich auf Walter und wir kaufen direkt die obligatorische Fahrzeugversicherung (53,00 € für 30 Tage) und eine neue SIM-Karte (25,00 € für 30 Tage mit unbegrenztem Datenvolumen) WOW! Die Uhr wurde wieder 1 Stunde vorgestellt, sodass wir jetzt 3 Stunden Differenz. Zu Deutschland haben.

Wir fahren noch ein Stück durch Batumi – sehr chaotisch – und bleiben für die nächsten 3 Tage an der Schwarzmeerküste. Das Wetter hat sich beruhigt und wir genießen das Strandleben.

Ursprünglich wollten wir von hier aus nach Swanetien im großen Kaukasus fahren, aber der Wetterbericht sagt viel Schnee und Minustemperaturen von  bis zu  -15 Grad voraus. Auch dieses Vorhaben verschieben wir auf die Rückreise, dann sollten auch alle Pässe frei sein.

Wir fahren also Richtung Osten, machen einen kurzen Einkaufsstopp in Kutaissi und fahren zu einer heißen Schwefelquelle etwas südlich der Stadt. Die letzten 2 Kilometer sind eine Herausforderung: Eine mit tiefen Löchern übersäte Piste führt zu dem Platz.

Im Becken tummeln sich schon 2 Besucher, den Kopf mit Pudelmütze bedeckt – sieht ziemlich lustig aus.

Wir haben keine Lust auf ein warmes Bad und fahren schon am nächsten Tag weiter zur Höhlenstadt Vardzia.

Die Nebenstrecke durchs Gebirge, führt uns zunächst durch den Kurort Sairme. Mitten im Nichts ein kleiner Ort mit vielen großen Hotels. Die Straße ist zum Teil sehr beschädigt und endet nach ca. 22 km an einer provisorischen Schranke: Weiterfahrt ist wegen Unpassierbarkeit nicht möglich.

Also zurück und einen großen Umweg nach Vardzia fahren, kommen aber auf der großen Straße flott voran. Unterwegs passieren wir noch eine riesige Baustelle: Eine Autobahn, mehrere Tunnel und Brücken werden hier aus dem Boden gestampft. Es ist offensichtlich ein Teil der neuen Seidenstraße von China über Bischkek, Baku, Tiflis, Istanbul bis nach Budapest. Gigantische Baumaschinen mit chinesischen Schriftzeichen sind zu sehen, ebenso chinesische Baufahrzeuge. Wie uns später erzählt wurde, sind auch viele chinesische Arbeiter hier beschäftigt.

Unser Ziel Vardzia im Süden Georgiens ist angemeldet als Unesco Welterbe.

Schon von weitem kann man die in die Höhlenstadt, die in eine bis zu 500 m hohe Felswand hineingeschlagen wurde erkennen. Wir parken direkt unterhalb und erkunden am nächsten Tag die Stätte.

Erste Bewohner in einfachen Höhlen gab es schon vor 2000 Jahren.

Als Stadt erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert als Grenzfestung von König Georg III. Seine Tochter Tamara vervollständigte das Bauwerk und richtete es zunächst als Kloster ein. Die Höhlen waren durch Tunnel, Terrassen und Galerien miteinander verbunden. Neben den Wohnräumen gab es Küchen, Wasserversorgung, Ställe, Weinkeller, Apotheken und vieles mehr. Während eines militärischen Konfliktes lebte sie mit ihrem Gefolge von 1193-1195 in der Stadt. Für die Einwohner waren ursprünglich 3000 Wohnungen auf bis zu 7 Stockwerken errichtet worden, die bei Konflikten mit Türken und Persern Zuflucht für bis zu 50.000 Menschen bot. Nach einem Erdbeben 1283 sind sehr viele Räume zerstört worden und heute sind noch etwa 600 vorhanden. Die Räume sind über ein ausgeklügeltes System von Treppen und Terrassen miteinander verbunden und wir bewältigen gefühlt mindestens 1000 Stufen.

Das klösterliche Leben kam fast zum Erliegen, nachdem es 1552 von iranischen Streitkräften geplündert wurde. Erst 1988 kehrten Mönche in größerer Zahl in das Kloster zurück und es ist auch heute noch bewohnt. Ein Highlight ist die sehr gut erhaltene Kapelle, in der Fotografieren leider verboten ist (Frauen müssen eine Kopfbedeckung tragen). Außerordentlich farbenprächtige und gut erhaltene Wandmalereien zieren das Innere der Kirche.

Durch steile Tunnel und Treppen wird man durch den Felsen zum Ausgang geführt. Nach fast 4 Stunden in denen wir die spannende Architektur bewundert und bestaunt haben sind wir wieder am Parkplatz zurück.

Abends gönnen wir uns einen Besuch im Restaurant – Walter nimmt das georgische Nationalgericht Khachapuri (Brottasche mit Käse und Spiegelei) und ich ein Schaschlik – sehr sehr lecker!

Auf der Weiterfahrt kommen wir an der Festung Khertvisi vorbei (erbaut im 10. – 14. Jahrhundert). Die Besichtigung lassen wir aus, wir sind gerade kulturhistorisch gesättigt.

In Richtung Tiflis überqueren wir einen weiteren Pass auf 2.150 m und fahren nochmal durch die verschneite Berglandschaft und biegen dann in Richtung Süd-Osten ab.

Über Rustavi schleichen wir auf einer Piste entlang der aserbaidschanischen Grenze bis zum Kloster David Gareji.

Da es schon spät ist und außerdem sehr stürmisch, verschieben wir die Besichtigung auf morgen früh. Wir wollten eigentlich auf dem Parkplatz übernachten, aber leider kamen gegen 22.00 h Grenzpolizisten vorbei und haben uns aufgefordert, den Platz zu verlassen (Grenzgebiet!). Wir fahren 12 km nach Udabno und bleiben dort auf einer Wiese beim Oasis-Café.

Am nächsten Morgen – für uns ist es Ostermontag, aber hier wird Ostern erst Anfang Mai nach dem gregorianischen Kalender gefeiert – also nun die Besichtigung. Erbaut wurde es im 6. Jahrhundert und neben den heute noch bewohnten Gebäuden kann man auch noch die in den Fels gehauenen Wohnhöhlen sehen.

Ein steiler Pfad führt noch ca. 80 m den Berg hinauf zu einer weiteren Höhle. Von hier aus hat man einen fantastischen Blick auf die Klosteranlge und die sie umgebenden bunten Berge.

Die nächste Klosteranlage Udabno kann man inzwischen nicht mehr besichtigen, da aufgrund von Grenzstreitigkeiten zwischen Georgien und Aserbaidschan das Gebiet für Touristen gesperrt wurde.

Am frühen Nachmittag machen wir Rast in dem wunderschönen Städtchen Sighnaghi und bummeln durch die Altstadt. Die Kirche thront über den roten Ziegeldächern- sehr malerisch!

In einem zauberhaften kleinen Restaurant mit Blick auf die Kirche genießen wir unser Ostermenü. Die Gegend hier ist Weinanbaugebiet und die georgischen Weine sollen sehr berühmt und köstlich sein.

Wir fahren abends noch zur Adlerschlucht und nächtigen dort auf dem Wanderparkplatz in wunderschöner Bergkulisse. Die Hänge sind mit voll in der Blüte stehenden Hamamelis Sträuchern übersät- total schön!

Am nächsten Morgen wandern wir ein Stück in den Berg hinauf, kommen aber nicht sehr weit, da und ein wütend kläffender und knurrender Hütehund den Weg versperrt. Er macht keine Anstalten auszuweichen, also tun wir es und kehren um und fahren direkt nach Dedopliszqaro. Hier wollen wir uns im Touristenbüro eine Genehmigung für den Besuch des Waschlowani Nationalpark besorgen, der im Süden an Aserbaidschan grenzt. Wir wollen 3 Nächte bleiben und bezahlen insgesamt 45,00 GEL (15,50 €). Mit dem Antrag müssen wir zur Grenzpolizei, nochmal ein Formular ausfüllen und bekommen dann die Erlaubnis ausgehändigt.

Die Nächte müssen wir auf den ausgewiesenen Rangerstationen verbringen, dürfen aber überall herumfahren. Die Pisten sind sehr ausgewaschen und haben extrem tiefe Spurrillen. Walter tänzelt mir Sleipnir bravourös darüber hinweg, gerät dabei manchmal in eine ziemliche Schräglage, dass ich das Gefühl habe, gleich kippen wir um. Abenteuerlich!

Ich bin froh, dass es so schönes Wetter ist, Regen würde den Weg in eine Schlammpiste verwandeln…

Die Gegend ist beeindruckend, steile Sandsteinklippen wechseln sich mit Steppen, engen Tälern und spärlich mit Gras bewachsenen Hügeln ab. 

 Der Nationalpark ist eine trockene Halbwüste mit extrem hohen Temperaturen im Sommer (bis zu 55 Grad!) und sehr milden Wintern, was eine unglaubliche Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren zur Folge hat. Sehr alte Pistazienbäume wachsen an den Flussläufen, der älteste soll ca. 900 Jahre alt sein! Leider fangen die Bäume gerade erst an, Blüten und Blätter auszubilden und sind noch überwiegend kahl. Der Blick auf die „Black Mountains“ des Großen Kaukasus ist phänomenal!

Die drei Tage hier im Nationalpark waren ein unvergessliches Erlebnis in unberührter Natur.

Mein Bedürfnis nach unwegsamen Pisten ist erstmal gesättigt und wir fahren nicht mehr zu den Schlammvulkanen Takthi Tepa, zumal es nach Regen aussieht und stürmisch zu werden verspricht – auf dem Rückweg ist bestimmt noch Zeit dafür!

Wir fahren nur ein Stück bis kurz vor Dedopliszqaro und ich erhole mich von dem Pistenabenteuer.

Leider wurde beim Befahren der Pisten durch den Nationalpark der das Bodenblech des Abwassertanks beschädigt, wir werden versuchen eine provisorische Reparatur in Tiflis zu bewerkstelligen.

Außerdem müssen wir einige Dinge dort erledigen: Wäsche waschen, Rubel für den Transit durch Russland besorgen und für die 3 Tage noch mal alles Nötige an Lebensmitteln einkaufen. Wir hoffen, dort auf weitere Overlander zu treffen, mit denen wir gemeinsam das Stück durch Russland fahren können. Natürlich wollen wir auch ein bisschen die Stadt erkunden, die sehr schön sein soll.

Die letzten beiden Vorhaben sind nicht verwirklicht worden: Keiner will zur Zeit nach/durch Russland reisen und der Stadtbummel fand nur in einer Minimalversion statt und wurde auch auf den Rückweg verschoben.

Auf dem Weg nach Stepardsminda überqueren wir wieder einen verschneiten Pass in 2.400 m Höhe. Mitten im Gebirge liegt der auftrebende Wintersportort Gudauri: Unzählige Hotels und Ferienwohnungen sind zu sehen und der Bauboom ist noch immer in vollem Gange. Die Straße führt mitten durch den Ort und sämtlicher Verkehr (vor allem LKW) rauschen hindurch- strange!

Irgendwann auf dem Weg kommt die Autoschlange zum Stehen, Stau auf der Passstraße…Es ist kalt, aber die Aussicht ist schön!

Wir haben keine Ahnung, aus welchem Grund sich einige Fahrzeuge aus der Schlange lösen und auf der Gegenspur einfach weiter fahren- aber wir machen natürlich mit und fahren an den LKW vorbei. Abenteuerlich wird es, wenn Autos entgegenkommen, aber irgendwie ruckelt es sich immer zurecht. Die Tunnel, die wir durchfahren, sind zum Teil unbeleuchtet und die Straße in desolatem Zustand. Glücklicherweise werden hier keine riskanten Überholmanöver gestartet!

In Stepanzminda fahren wir zunächst die Serpentinenstraße zur Trinity Church hoch- ebenfalls ziemlich nervenaufreibend (für mich), da wegen des Schnees nur eine Spur befahrbar ist und nur ab und an eine Ausweichbucht freigeräumt wurde.

Wir machen nur einen kurzen Stopp an der Kirche, die sich leider nur wolkenverhangen präsentiert und fahren zum Übernachten wieder hinunter ins Tal.

Am nächsten Morgen werden wir Georgiern verlassen und uns auf den Weg nach Russland begeben.

3 Kommentare zu „Georgien

  1. Avatar von wbreul


    Echt beeindruckend eure Tour! Wir verfolgen sie mit größtem Interesse! Hut ab! Liebe Grüsse Wolfgang und Sabine

  2. Avatar von Matthias Ullrich
    Matthias Ullrich Mai 4, 2024 — 14:46

    Auch der Georgien-Report lässt einen förmlich dabei ein. Grosse Klasse! Der grimmige Hütehund hatte sicherlich seinen Auftrag 😉 Witzigerweise wurde ich erst beim Kasachstan-Bericht darauf aufmerksam gemacht, dass es wieder was zu lesen und anschauen gibt. Freue mich auf die nächsten Berichte… LG und Gute Fahrt von Sabine und Matthias

  3. Avatar von Pinoekel

    Vielen Dank ihr Beide und liebe Grüße nach Vegesack👋😎

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