06.05.2024 – 18.05. 2024
Schon am Vortag haben wir uns mit Manu, René und Struppi (ein irischer Wolfshund) in Kasachstan getroffen.


Gemeinsam fahren wir zur Grenze und sind voller Spannung, wie die Einreise nach China ablaufen wird.
An der Grenze werden wir von Yinchou und Jerry, unseren zwei chinesischen Reiseführern, in Empfang genommen und herzlich begrüßt.

Als erstes werden die Fahrzeuge desinfiziert: René bekommt einen Kittel angezogen, einen Tank auf den Rücken und eine Spritze in die Hand. Er macht das richtig gut und die Beamten sind zufrieden. Der Veterinär, der Struppi begutachtet, hat nichts zu beanstanden und Struppi darf mit! An unseren mitgebrachten Lebensmitteln hat er dafür umso mehr zu mäkeln, wir müssen fast den gesamten Inhalt unseres Kühlschrankes ausräumen und er verlässt uns mit 2 großen Tüten voller Lebensmitteln, um sie zu entsorgen. Vor allem wegen der Salami, die noch original verpackt ist, bin ich ziemlich sauer- die Kriterien sind intransparent, den ebenso verpackten Seranoschinken darf ich behalten…Aber ok, der Verlust ist natürlich zu verschmerzen.
Die Kabine wird ebenfalls gründlich inspiziert, sehr intensiv werden die chinesischen Straßenkarten begutachtet.




Wir Frauen müssen jetzt zu Fuß durch das riesige, supermoderne Abfertigungsgebäude zur Passkontrolle. Bei mir gibt es Irritationen, da in meinem Pass mit dem chinesischen Visum das Ausreisevisum aus Kasachstan fehlt. Ich zeige meinen zweiten Reisepass vor, in dem sich der Stempel befindet. Ich versuche zu erklären, dass für die gleichzeitige Beantragung des chinesischen und des russischen Visums der 2. Pass notwendig war. Nach langem Hin und Her und der Hinzuziehung von weiteren Beamten und mit Hilfe von einer Übersetzungs-App ist der Sachverhalt geklärt und auch ich passiere die Kontrolle. Die Beiden Männer – und Struppi – fahren mit den Autos zur Zollabfertigung und nochmaligen Fahrzeugkontrolle. Yinchou ist dabei und hilft beim Ausfüllen der Formulare.
Wir Frauen sind trotz der Verzögerung deutlich schneller und suchen auf dem riesigen Gelände nach der Autoabfertigung. Tatsächlich erspähen wir hinter einem riesigen verschlossenen Tor unsere Männer nebst Autos.



Yinchou wird von Jerry mit dem Roller abgeholt und wir fahren ihnen hinterher nach Khorgas, auf einen großen Parkplatz, auf dem wir auch unsere erste Nacht verbringen wollen.
Unser Erstaunen ist riesig, als wir ihr Wohnmobil entdecken, mit dem sie uns auf unserer Tour begleiten werden. Alle Gedanken, die wir uns gemacht haben, wie unser Wunsch organisatorisch zu lösen sei, möglichst oft fernab von Ortschaften in der Natur übernachten zu wollen, lösen sich in dem Augenblick in Wohlgefallen auf! Super, besser hätte es nicht kommen können!
Yinchou fährt mit Walter zum Gesundheits-Check, den er für die Ausstellung eines chinesischen Führerscheins braucht.


Inzwischen bekommen wir Besuch von mehreren Polizisten, die wissen wollen, warum wir hier parken. Als Yinchou zurückkehrt, machen sie deutlich, dass es nicht gestattet wird, hier zu bleiben, wir dürfen allerdings noch kurz in die Stadt laufen und unsere Besorgungen machen: Geld holen, SIM-Karte besorgen (sehr günstig: 192 GB für 2 Monate für 100 Yuan = 12,50 € ) und etwas einkaufen (der Kühlschrank ist ja wie erwähnt, ziemlich leer). Mit einer Reiseleiterin an unserer Seite sind alle Erledigungen schnell und einfach erledigt, echt klasse! Die Nacht müssen wir allerdings auf den Campingplatz in der Stadt verbringen, der sehr gut ausgestattet und außerordentlich günstig ist (1,50 € für 1 Nacht). Wir sitzen noch ein Weilchen gemütlich zusammen und sind gespannt auf den nächsten Tag.







Die Uhrzeit in China ist übrigens überall im Land gleich: Es gilt die Peking-Zeit. Das hat natürlich zur Folge, dass die Sonnenaufgänge und Untergänge nicht recht zur Uhrzeit passen- zumindest so weit im Westen, wie bei uns.
Morgens fahren wir zusammen zur Fahrzeugkontrolle und Walter muss einen Test für den chinesischen Führerschein machen, weil er schon 70 ist. Dieser ist keine Führerscheinprüfung im herkömmlichen Sinn, sondern eine Art Nachweis, das sich Walter im Straßenverkehr sicher bewegen und orientieren kann.
Die Autos bestehen ihren Test auch, nur die Suche nach den Fahrbestellnummern gestaltet sich schwierig. Aber letzt endlich klappt alles und wir bekommen unserer chinesischen Nummernschilder ausgehändigt und alle sind happy.






Wir machen noch ein Foto und endlich kann’s losgehen!

Wir starten in der größten Provinz Chinas, in der autonomen Region Xinjiang und fahren noch ein Stück durch eine tolle Berglandschaft mit unglaublichen Brückenkonstruktionen über einen Pass auf 3000 m Höhe.



Bei unserem ersten Tankstopp (Diesel kostet ungefähr 1,00 €) machen wir Bekanntschaft mit einem tollen Service: In jeder Raststätte gibt es Automaten mit kostenlosem heißem Wasser zum Mitnehmen, cool! In manchen gibt es sogar eine Waschmaschine! DIe Nutzung der Autobahn kostet je nach Standard Mautgebühren, die relativ hoch sind.


Gegen Abend fahren wir von der Autobahn ab und suchen uns einen Stellplatz für die Nacht. Wir landen inmitten von gerade bestellten Feldern auf einer Lichtung, umgeben von einem kleinen Pappelhain. Nicht der schönste Platz, aber wir sind zufrieden und genießen den Sonnenuntergang.


Weiter geht es am nächsten Morgen Richtung Osten entlang der nördlichen Seite des Tianshan Gebirges. Wann immer wir eine Rast einlegen, sind wir von Chines*innen umringt. Struppi ist die Sensation, viele wollen ihn streicheln und ein Foto machen. Aber auch wir mit unseren Autos erregen die Aufmerksamkeit und werden ebenso gebeten, für Fotos zu posieren. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, dass es für Chines*innen völlig normal ist, uns unbefangen und neugierig „auf die Pelle zu rücken“. Aber andererseits kommt man auf diese weise schnell unkompliziert mit ihnen ins Gespräch. Meistens mit Händen und Füßen, englisch sprechen nur wenige und wir kein chinesisch. Manchmal hilft auch Google aus.





Die Suche nach einen Platz für die Nacht gestaltet sich schwierig, dass anvisierte Ziel ist auf Grund von Straßenbauarbeiten nicht zu erreichen und in der Nähe ist ein großes militärisches Sperrgebiet. Wir weichen aus auf ein Gelände zwischen Feldern und einer Art Brachland und machen das beste daraus. In der Nähe ist eine verendete Kuh zu sehen, wie auch gestern schon und wir machen Witze darüber, dass es zukünftig immer einer solchen bedarf.
Der nächste Tag führt uns durch abwechslungsreiche Landschaft.








Wir passieren Urumqi, die Hauptstadt von Xinjiang. Die 4-Millionen Metropole beeindruckt uns mit unglaublich vielen modernen Hochhäusern auf engem Raum.
An einem Cañon mit phantastischem Ausblick legen wir einen Fotostopp ein.






Anschließend besuchen wir das alte uygurische Oasendorf Tuyok in der Taklamakan Wüste. Das Dorf ist für touristische Zwecke erhalten worden und die Besichtigung kostet Eintritt. Struppi darf leider nicht mit rein und René bleibt bei ihm auf dem Parkplatz. Wir bummeln durch das Dorf mit den wirklich schönen im alten Stil erhaltenen Gebäuden. Natürlich gibt es auch viele Verkaufsstände. Auch sehen wir zum ersten Mal wunderschöne Trachten, die nicht zum Verkauf, sondern zum Verleih angeboten werden. Diese Geschäftsidee wird uns überall in China begegnen, mit den jeweils typischen Gewändern der Region.















Vor allem werden hier Rosinen angeboten, für die diese Gegend berühmt ist. Die Weintrauben werden in riesigen Lehmbauten getrocknet, die überall in der Gegend zu sehen sind.



Wenn die Hitze uns hier schon zu schaffen machte, steigt sie beim nächsten Stopp nochmal um einige Grad auf sagenhafte 45,8 Grad. Wir wandern zum tiefsten Punkt Chinas oberhalb der Erde bei -153 m unter NN. Der schön angelegter Pfad am Ayding Lake endet an einer großen Weltkugel.




Auf unserem Weg sehen wir in der Ferne ein riesiges eingezäuntes Gebiet. Unsere Reiseleiter*innen wissen nicht, was sich dahinter verbirgt, aber wir vermuten, dass es die Teststrecke von VW ist, die hier bei Turpan betrieben wird. Auf Satellitenaufnahmen ist es auch deutlich zu erkennen.
Nächster Stopp ist an den „Flaming Mountains“ , eine Bergformation mit tief gefurchten Längsrillen, die besonders bei Sonnenuntergang wie ein gewaltiges Feuer wirken. Eine Episode der Geschichte vom Monkey King spielt hier, dass erklärt die riesige Skulptur auf dem Gelände.


Anschließend besichtigen wir noch in Turpan das Museum, in welchem das ausgeklügelte Bewässerungssystem der Umgebung anschaulich erklärt wird, mit dem seit über 300 Jahren die Weinstöcke und auch die Stadt mit Wasser aus dem Gebirge bis heute versorgt wird. Und einen tollen Souveniershop gibts auch noch!









Zum Abschluss dieses ereigniseichen Tages schlendern wir noch kurz in der Stadt über den Markt und werden, wie so oft auch hier um gemeinsame Fotos gebeten. Wir besorgen uns von dem reichlichen Angebot an Streetfood etwas zum Abendbrot, das wir auf unserem Stellplatz, der idyllisch zwischen Weinstöcken liegt einnehmen. Es ist schon halb zehn und wir sind ziemlich geschafft von dem Tagesprogramm- aber für ein kühles Bier nach dem Essen reicht es allemal!




Von Turpan aus geht es am nächsten Tag weiter in Richtung Korla.
Wir fahren durch eine wunderschöne Gebirgslandschaft, die mit Wüstenabschnitten durchsetzt ist. An ihrem Rand können wir auch ein gigantische Solarenergieprojekt sehen, welches sich kilometerlang an der Autobahn entlang zieht, gefolgt von unzähligen Windparks! Beeindruckend!






In Korla frischen wir in einem Supermarkt unsere Vorräte auf- die riesige Auswahl an Lebensmitteln aller Art überfordert uns ein wenig. Yinchou ist eine große Hilfe, sie klärt uns geduldig über die für uns exotische Früchte, Gemüsearten und andere Spezialitäten auf. Wir sind neugierig und kaufen viel zu viel ein, finden sogar Käse (leider nur Scheibletten).


Von Korla aus fahren wir südwärts durch die Wüste Taklamakan und natürlich müssen wir mal kurz die Sanddünen hinauf laufen- mühsam bei 40 Grad!
Es staubt mächtig und die Straße ist teilweise mit Sand bedeckt.













An einem Polizeikontrollposten wird es etwas schwierig: Yinchou verhandelt lange mit den Beamten, aber es wird angeordnet, dass wir nicht weiter auf der Landstraße fahren dürfen und ein herbei gerufenes Polizeiauto eskortiert uns zur nächsten Autobahnauffahrt. In der Provinz Xinjiang ist die Polizeipräsenz sehr auffällig, aber es gab auch diesen ungewollt komischen Augenblick.

In Ruoqiang besichtigen wir das Lobulan Museum: Bei Ausgrabungen wurde eine versunkene Stadt entdeckt, die einstmals ein wichtiger Handelsposten an der Seidenstraße war (220 v. Chr. – 14. Jahrh. n.Chr.).
Bemerkenswert ist der Fund einer Gräberstätte mit etlichen sehr gut erhaltenen mumifizierten Leichen. Die berühmteste davon ist die von Loulan, die 1800 v. Chr. gelebt hat. Natürlich sind daneben auch viele andere interessante Gegenstände ausgestellt.








Am nächsten Tag besuchen wir die „Milan Relikt Site“, ein Ausgrabungsstätte, deren Artefakte wir zum Teil gestern schon im Loulan Museum besichtigen konnten.
Wir werden mit einem Elektrobus durch das weitläufige Gelände gefahren, wo etliche Überreste von Gebäuden und der Stadtmauer zu sehen sind. Das meiste ist noch nicht ausgegraben und wird erst nach und nach zu Tage gefördert. Die Ruinen datieren aus dem 2. Jahrhundert v.Chr. bis zum 8. Jahrhundert n.Chr.








Die Fahrt geht weiter entlang der nördlichen Seite des Tibetanischen Plateaus, durch Wüste und Steppenlandschaft, in der Ferne sind schneebedeckte Berge zu sehen.
Schöne Übernachtungsplätze zu finden, ist nicht immer leicht, aber wir sind froh, wenn wir außerhalb von Ortschaften einen Platz entdecken.











Eine 550 km lange Autobahnfahrt führt uns durch beeindruckende Landschaft nach Dunhuang und damit in die Provinz Gansu. Unterwegs können wir eine der seltenen wilden Kamelherden beobachten. Ein kurzer Abstecher in die Wüste mit etwas Pistenfahrt ist eine willkommene Abwechslung.





Dunhuang wurde 111 v. Chr. gegründet und spielte aufgrund seiner Lage als wichtiger Knotenpunkt der alten Seidenstraße eine bedeutende Rolle. Wir bleiben für 2 Tage auf einem Parkplatz nahe der Stadt und fahren mit dem Taxi zum Night Market und stürzen uns in das bunte Treiben von Verkaufs- und Essständen. Mit Yinchous Hilfe findet auch Walter etwas vegetarisches. Struppi ist mit dabei und zieht reichlich Aufmerksamkeit auf sich. Eine Traube von Chines*innen umgibt uns und wir werden von einem Polizisten feundlich aufgefordert, weiterzugehen, damit sich die Menge auflöst…







Am nächsten Tag ist die Besichtigung der Mogao-Grotten geplant, ein Unesco World Heritage Site. Der Eintritt ist happig, aber wir kriegen allerhand geboten. Zur Einführung werden 2 Filme gezeigt und mit dem Bus werden wir zu den Grotten gefahren. Von außen ist nicht viel zu sehen: Eine Reihe von verschlossenen Kammern (über 700), die in den Fels gehauen wurden. Im Jahr 366 wurde mit dem Bau begonnen und bis ins 14. Jahrhundert fortgeführt. Deshalb sind auch neben den buddhistischen auch hinduistische und christliche Einflüsse zu erkennen.




Wir bekommen eine deutsch sprechende Reiseführerin, die uns durch die einzelnen Höhlen führt. Da wir die einzigen in der Gruppe sind, können wir auch mehr Grotten als die übliche 8 besichtigen. Wir bestaunen die unglaublich detailreichen Wandmalereien und Skulpturen der Buddhas, Bodhisatthvas und deren Schüler. Leider dürfen wir in den Grotten keine Fotos machen.





Heute ist ein besonderer buddhistischer Feiertag, deshalb ist vor dem Tempel mit einer riesigen Buddha Statue eine große Anzahl von Menschen zu sehen, die Opfergaben bringen und Räucherstäbchen anzünden.





Ziemlich voll mit den Eindrücken sind wir wieder zurück und brechen nach einer kurzen Ruhepause zu den „Klingenden Sanddünen“ und dem Mondsichel-See auf.
Es ist trotz des bewölkten Himmels viel los: Kameltouren werden angeboten, etliche prächtig kostümierte Frauen lassen sich vor der malerischen Kulisse in Scene setzen, aber die meisten streben auf den Gipfel der Düne.







Mir fehlt die Kraft und so warte im am Fuße der Düne, bis Manu, Yinchou und Walter wieder herunter gestürmt kommen.
Die Sicht auf den beleuchteten Mondsichel-See ist etwas getrübt, aber dennoch sehr hübsch anzuschauen!





Weiter gehts Richtung Osten nach Jiajuguan. Zuerst besichtigen wir das Fort mit dem westlichsten Punkt der großen Mauer. Die strategisch günstige Lage zwischen zwei Gebirgszügen war eine gute Gelegenheit, von den Händlern Zoll einzufordern. Eine nette Showeinlage von kostümierten Darstellern veranschaulicht das historische Geschehen für die zahlreichen Touristen.






Wir übernachten ein Stück weiter am Fuße eines restaurierten Abschnitts und am nächsten Morgen geht es an den Aufstieg. Ich schaffe es tatsächlich bis zur Spitze- natürlich deutlich langsamer als der Rest der Truppe! Das ist mir eine Medaille wert 🙂






Weiter geht es jetzt Richtung Süden, von dem wir im Teil II berichten werden.
