Mongolei

11.06.2024  – 08.07.2024

Bevor wir zur chinesischen Grenze aufbrechen, werden noch diverse Gruppenfotos gemacht. Der Abschied fällt uns schwer und ein paar Tränchen werden schon mal vergossen. Es war eine tolle Zeit, die wir zusammen hatten! Yinchou und Jerry waren die perfekten Reiseleiter,  haben uns in allen erdenklichen Situationen unterstützt, kenntnisreich durch die vielen kulturellen und landschaftlichen Highlights geführt und wir haben viele gemeinsame Abende in freundschaftlicher Atmosphäre mit netten Gesprächen und manch einem Glas Pflaumenwein verbracht.

An der chinesischen Grenze müssen Manu und ich wieder zu Fuß durch die Passkontrolle. Es gibt noch etwas Aufregung,  da Struppi die Grenze nicht im Auto überqueren darf – warum auch immer. Yinchou sprintet mit ihm in die Abfertigungshalle und kann ihn tatsächlich an der  Absperrung an Manu übergeben, da wir schon durch die Kontrolle durch sind.

Noch ein weiterer herzlicher Abschied und für uns heißt es wieder warten, bis die Männer mit den Autos durch die Kontrolle sind.

An der mongolischen Grenze ist wieder Geduld gefragt, es dauert ziemlich lange, bis alle Formalitäten erledigt sind.

Am frühen Nachmittag sind wir fertig und halten im nächsten Ort, um eine SIM-Karte zu besorgen und ein paar Vorräte aufzustocken. Wir hatten vorsichtshalber kaum Lebensmittel mitgenommen, weil wir nicht Gefahr laufen wollten, dass uns alles an der Grenze abgenommen werden würde…

Von Manu und René verabschieden wir uns am Nachmittag, nach einem letzten gemeinsamen Kaffee in trauter Runde. Die beiden wollen erst mal im Süden bleiben und wir fahren direkt nach Ulan Bator.

Zunächst geht es durch die Wüste und ein kleiner Sandsturm nimmt uns zeitweise die Sicht.

Je weiter wir nach Norden kommen, wird es hügeliger und die ersten Jurten tauchen auf, die sich mit ihrer weißen Farbe malerisch von dem Grün der Landschaft abheben. Ziegen, Schafe, Rinder und Pferde tummeln sich im Gelände und laufen leider auch manchmal unvermittelt über die Straße.

In Ulan Bator steuern wir als erstes den einzigen Betrieb an, der nach unserer Information unsere deutschen Gasflaschen befüllt. Vor 2 Tagen haben wir den letzten Rest verbraucht und sind heilfroh, dass es tatsächlich klappt und Kühlschrank und Kocher wieder in Betrieb genommen werden können. Um die Ecke befindet sich das Gästehaus OASIS, wo wir für die nächsten 2 Tage bleiben. Sleipnir kann im Hof stehen und wir können endlich mal wieder ausgiebig duschen und Wäsche waschen.

Mit dem Taxi fahren wir in die russische Botschaft, um Informationen über die Ausreise von Russland nach Kasachstan in Erfahrung zu bringen. Wir haben vor, ein E-Visum zu beantragen. Im Internet gibt es eine Liste auf der Homepage der russischen Botschaft, in der alle Grenzübergänge für die Ein- als auch die Ausreise aufgelistet sind, die mit dem E-Visum genutzt werden können. Keiner davon ist an der Grenze zu Kasachstan, aber der Beamte in der Botschaft versichert uns, dass es trotzdem möglich sei. Beruhigt fahren wir zurück und wir machen uns optimistisch an das Ausfüllen des E-Visums. Es stellt sich heraus, dass es genau das gleiche Formular wie für das „normale“ Touristenvisum ist, mit all den ausführlichen Fragen zu allem Möglichen… Wir füllen es so vollständig wie möglich aus, und bekommen es noch einmal zur Korrektur zurückgeschickt. Letztendlich hat es im 2. Anlauf geklappt und nach 5 Tagen ist das Visum im Postfach.

Nachdem alles Notwendige erledigt ist, brechen wir zu unserem Rund-Trip durch die Mongolei auf.

Unser erstes Ziel ist Tsagaan Suvraga, südlich von Mandalgobi.

Hier machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit den Pisten, die sich überall durchs Land ziehen. Es gibt nicht sehr viele gut ausgebaute, asphaltierte Straßen in der Mongolei.

Man braucht viel Zeit, Geduld und manchmal auch gute Nerven, um ans Ziel zu gelangen.

Die Gobi ist hier eine Steinwüste, manchmal bergig und immer mal trifft man auf Saxaul Bäume, Kamele streifen durch die Gegend.

Nach gut 2 Stunden Fahrt ragen die weißen Sandsteinklippen 60 Meter aus der Wüste empor, ein faszinierender Anblick! Wir übernachten am Fuß der Klippen und genießen den Sonnenuntergang.

Am nächsten Tag fahren wir nach Dalan Zadgad und dann noch ein Stück weiter bis zur Geierschlucht. Sie befindet sich in einem Naturpark und man muss Eintritt bezahlen.

Wir fahren wieder auf einer Piste bis zum Eingang der Schlucht. Die Schlucht ist so eng, dass nur wenig Sonne hinein scheinen kann auch im Sommer noch Eis vorhanden ist. Da Walter noch immer nicht weit laufen kann, können wir das Naturschauspiel leider nicht erkunden und machen nur eine kleine Runde auf dem Parkplatz. Später suchen wir uns ein ruhiges Plätzchen in den Bergen zum Übernachten.

Auf dem Weg zur Khongoryn Els – einer riesigen Wanderdüne in der südlichen Gobi fahren wir zunächst sehr komfortabel auf einer nagelneuen Asphaltstraße. Einige Kilometer nach Bayandalai endet sie unvermittelt an einer riesigen Baustelle und wir müssen auf eine provisorische Piste ausweichen. Der Abzweig nach Sevrey ist nicht zu finden und wir überqueren auf gut Glück die Baustelle und fahren zumindest grob in Richtung der Ortschaft entlang der Stromleitungsmasten. Wir müssen unbedingt tanken und warten geduldig an der Tankstelle, bis der Tankwart von ebenfalls Wartenden herbei telefoniert wird.

Wir fahren entlang der Gebirgskette Zöölön Uul in Richtung der Düne.

Unterwegs auf der Piste begegnen wir einem Vater mit seinen beiden kleinen Kindern, die sich in dem heillosen Wirrwar der Pisten völlig verfahren und festgefahren hatten. Er fährt nun hinter uns her und am Rand der Düne bleibt er zurück. Die Kinder wollen unbedingt mit ihren kleinen Schlitten die Dünen herunterdüsen und freuen sich riesig, noch am Ziel angelangt zu sein.

Der Weg führt nun mitten durch die Dünen und Walter muss etwas Luft aus den Reifen lassen, damit wir weiterfahren können. Mit viel Speed düsen wir durch den Sand und stellen unterwegs fest, dass der Weg heraus inzwischen von großen Sandmassen versperrt ist und wir noch ein ganzes Stück weiterfahren müssen, um einen neuen Weg zu finden.

Wir sind froh, als wir wieder eine Steinpiste unter den Rädern haben und verbringen die Nacht mit fantastischer Aussicht auf die Sanddüne und die dahinter liegenden Berge.

Am nächsten Tag geht es noch 100 km durch die spektakuläre Wüstenlandschaft bis nach Bulgan.

Unterwegs treffen wir immer wieder auf Kamele, die uns neugierig beäugen.

Kurz vor der Stadt geraten wir in einen kleinen Sandsturm, die Sicht ist richtig schlecht und wir können die Piste kaum noch erkennen.

Unser Tagesziel sind die „Flaming Cliffs“ und es stellt sich heraus, dass das Gebiet großflächig abgesperrt ist. Wir fahren endlos lang. An der Absperrung entlang, bis wir endlich den Eingang erreichen. Der Eintritt ist moderat und wir finden einen schönen Platz an den Klippen. In diesem Gebiet wurden viele Saurierknochen gefunden und es sollen immer mal wieder welche am Wegesrand auftauchen. Wir finden keine und auch den spektakulären Sonnenuntergang, der die Cliffs in flammendes Rot taucht, verpassen wir, da es leider, leider bewölkt ist.

Auch am nächsten Tag geht es immer weiter auf unwegsamen Pisten durch die Wüste. Aus Versehen haben wir die Tür zur Kabine nicht fest zugemacht und bei der ersten Rast erwartet uns eine kleine Sanddüne im Auto. Es kostet einige Mühe. Und Zeit, den Sand zu entfernen, der sich überall festgesetzt hat.

Im kleinen Ort Saikhan Ovoo können wir tanken und in dem kleinen Laden unsere Vorräte auffrischen. Das Wasserhaus funktioniert hier nur mit einer Chipkarte und wir können kein Wasser bekommen. Hier sind – wie in allen Dörfern und auch in den größeren Ortschaften – die Häuser oder Jurten von Zäunen umgeben. Neben vielen einfachen Bauten gibt es auch ab und zu modernere mehrstöckige Gebäude. Auch die größeren Städte sind großflächig von diesen parzellierten Höfen umgeben.

Auf der Fahrt aus dem Dorf heraus müssen wir den Fluss auf eine Brücke überqueren und stellen fest, dass wir unter der Höhenbegrenzung nicht durchpassen… Etwas ratlos stehen wir davor und überlegen, wo wir am besten unterhalb der Brücke durch den Fluss fahren können. Anscheinend sind wir beobachtet worden und es kommt ein Auto angebraust, dessen Fahrer für uns die Schranke aufschließt – gegen eine kleine Gebühr ;). Wir fahren eine ganze Weile an dem Fluss entlang, an dessen Ufer sattes grünes Gras wächst und Pferde weiden. Eine Wohltat nach so viel Wüste!

Am Wegesrand findet man immer mal wieder große Steinhaufen mit Bändern und Fahnen bestückt, sogenannte Oovos. Sie sind schamanischen Ursprungs und sollen die Reisenden beschützen, wenn man sie 3 mal umrundet. Im Vorbeifahren Hupen soll allerdings die gleiche Wirkung haben. In den Steinen sind Opfergaben deponiert: Geldscheine, Wasserflaschen, mehr oder wenige hübsche Gegenstände, Hörner etc. In der Nachbarschaft befinden sich häufig auch kleine Buddhistische Stupas mit einem Altar und den typischen Gebetsfahnen.

Wir begnügen uns meistens mit hupen und bislang hat es gut funktioniert mit dem Schutz.

Am nächsten Tag erreichen wir Arwaicheer, eine Kleinstadt mit ca. 20 000 Einwohnern. Sie liegt auf 2000 m Höhe und die Temperaturen sind deutlich angenehmer. Auch hier braucht man eine Chipkarte für das Trinkwasser, wie inzwischen überall, wie wir später noch feststellen werden. Kurz entschlossen besorgen wir uns im Supermarkt einige der 10l Trinkwasserkanister und füllen unseren Tank damit auf.

Da die Kabine durch das Fahren auf den Pisten tüchtig durchgerüttelt wurde, müssen die Spannbügel wieder festgezogen werden, damit die Kabine nicht irgendwann von der Ladefläche rutscht. Wir suchen ein schönes Plätzchen in den Bergen mit festem Untergrund, da sie dafür abgesetzt werden muss. Die Muttern sind dermaßen fest, dass Walter mit dem Hammer nachhelfen muss. Aber alles klappt super und Sleipnir ist bereit für die nächsten Pisten!

Wir fahren durch Altai, kaufen ein und vor allem noch mal etliche Kanister Trinkwassser. Nach ca. 100 km biegen wir in Richtung Bayan Uul ab auf die Piste. Es geht durchs Gebirge wild bergauf und bergab mit manchmal waghalsigen Steigungen.

Ein paar Kilometer hinter dem Ort rasten wir an dem kleinen See Nuurmogoj. Er ist ziemlich ausgetrocknet, aber an dem verbliebenen Ufer tummeln sich allerhand Vögel und Pferde und eine Herde Ziegen und Schafe kommt vorbei. Es gefällt uns so gut hier, dass wir noch einen weiteren Tag am See verbringen. Wir bekommen allerhand Besuch von Mongolen aus der Gegend, es hat sich wohl herumgesprochen, dass wir am See campen. Die Verständigung klappte nicht so gut, aber es ist klar, dass alle einen Blick in unsere Kabine werfen möchten. Von den älteren Kindern konnte einer ein paar Brocken Englisch. Der Google Übersetzer hat mongolisch zwar   im Programm, aber irgendwie hat es nicht so richtig funktioniert, vielleicht weil keine mongolischen Schriftzeichen verfügbar waren. Wir verteilen allerhand Bonbons an die Kinder und werden von einer Familie mit getrocknetem Quark beschenkt. Kuh- oder auch Schafsmilch wird an der Luft getrocknet, dadurch entsteht eine feste Masse, die sehr lange haltbar ist. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftigt.

Unser nächstes Ziel ist ein weiteres riesiges Wüstengebiet noch ein Stück weiter im Westen: Mongol Els. Wieder geht es auf unwegsamen Pisten durch die Berge. Erschwerend kommt diesmal hinzu, dass durch Schmelzwasser entstandene tiefe Furchen und steile Abbruchkanten den Weg streckenweise unpassierbar machen. Manchmal reicht es, den Graben mit Steinen aufzufüllen, manchmal müssen wir einen Umweg machen und eine Möglichkeit finden, das Hindernis zu überwinden. Für meinen Geschmack war diese Tour ein wenig zu nervenaufreibend – Walter ist die Ruhe selbst und meistert auch die schwierigen Passagen wie gewohnt sicher und mit großem fahrerischem Können! Mein Held der Piste!!!

Wir kommen heil am Dünengebiet an und direkt davor erstreckt sich ein großer See – ein unglaublicher Anblick! Die Mühe hat sich wirklich gelohnt und wir machen eine lange Rast am See und bewundern die grandiose Landschaft.

Auch der weitere Weg nach Khökhmorit ist nicht einfach, aber diesmal vor allem wegen des tiefen Sandes auf der Piste. Wir haben erst mal wieder genug vom Pistenfahren und wollen möglichst schnell auf die Hauptstraße gelangen. Luftlinie sind es höchstens 50 km – aber wir können trotz intensiver Bemühungen keinen Weg durch die Berge finden und müssen wieder zurück nach Bayan Uul, nochmal 245 km Piste! Wir nehmen eine etwas andere Route als auf der Hinfahrt, die sich als deutlich komfortabler erweist. Wir fahren durch weites, flaches Land, nur manchmal durch tiefe Senken unterbrochen, in die wir steil bergab hinuntergleiten. Wir übernachten auf einem Plateau, welches mit skurilen Felsen und kugelförmigen Steinen gespickt ist, die wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Nun hat es auch die Inneneinrichtung unserer Kabine erwischt: Die Schrankwand hat sich ein Stück von der Befestigung gelöst und hängt schief im Raum.

Am nächsten. Tag schaffen wir es tatsächlich bis zur Hauptstraße, fahren über Darvi nach Zereg und campen dort an einem kleinen See. Es ist brütend heiß und wir finden kaum Ruhe und Schlaf.

In Khovd finden wir einen kleinen Laden, in dem wir eine Handvoll Schrauben kaufen. Wir suchen uns ein schönes Plätzchen abseits der Straße, die eigentlich schon wieder eine Schotterpiste ist und Walter repariert den Schrank.

Wir fahren weiter Richtung Norden und natürlich geht es wieder auf die Piste bis nach Naranbulag.

Wir versuchen nochmal, Trinkwasser zu bekommen, aber das bei IOverlander markierte Wasserhaus scheint außer Betrieb zu sein. Während wir versuchen, Hinweise zu entziffern, kommt ein Mann auf uns zu und bedeutet uns, seinem Auto zu folgen. Er hält kurz an seinem Haus, seine Tochter kommt herausgelaufen und reicht ihm die Chipkarte. Ein Stück weiter befindet sich die neue Wasserstelle und wir können auf seine Kosten Wasser bunkern. Es ist so toll, wie unglaublich freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Wir bedanken uns herzlich und bieten an, ihm etwas zu bezahlen, aber das lehnt er rigoros ab.

Wir fahren nun am Ufer des Khyargas Nuur entlang Es gibt sogar einen kleinen Sandstrand und wir fahren auf der Suche nach einem ruhigen Plätzchen weit an dem Strand entlang. Der Sand wird immer tiefer und nach einem kleinen Lenkfehler sitzen wir fest. Keine Chance, herauszufahren, die Sandbleche müssen her. Es ist ziemlich heiß und wir – eigentlich hauptsächlich Walter – rackern uns ab und kommen Meter für Meter voran. Inzwischen haben einige junge Männer wohl die Situation aus der Ferne beobachtet und kommen uns zu Hilfe. Sie schaufeln tüchtig mit und das letzte Stück schieben sie mit aller Kraft und wir haben wieder festen Boden unter den Rädern. Schon das 2. Mal an diesem Tag haben wir viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit erlebt. Wir bedanken uns herzlich und geben den Helfern ein paar Dosen Bier für die abendliche Feier mit.

Wir bleiben nicht an diesem Strand, wollen uns nicht noch mal festfahren. Ein Stück weiter finden wir einen tollen Platz mit festem Untergrund. Wir bleiben 2 Tage und verbringen die Zeit mit lesen, spazieren, relaxen und ab und zu mit einem kühlen Bad im See. Herrlich!

Weiter geht’s zum nächsten See: Telmen Nuur. Dieser lädt nicht unbedingt zum Baden ein, wir überlassen das den Pferden und Kühen, die hierher zum Trinken kommen.

Unterwegs wird zwischendurch die Straße erneuert: Unzählige Sandhaufen warten auf ihre Verteilung, was total witzig aussieht. In Tsontsengel wollen wir mal wieder Trinkwasser holen. Da wie bislang gute Erfahrung mit der Hilfsbereitschaft der Einheimischen gemacht haben, bleiben wir einfachkurz stehen und warten, bis jemand zum Wasser holen kommt. Wie erwartet, wird für uns problemlos Wasser gezapft und wir zeigen bereitwillig, wofür wir so viel Wasser brauchen. Die Kabine wird wie immer bewundert und wissbegierig erkundet.

Wir fahren an dem großen See Tsagaan Nuur vorbei, an dessen Ufer zahlreiche Ger-Camps für Touristen bereitstehen. In Tariat biegen wir ab und holpern auf einer üblen Piste zum Vulkan Khorgo. Es fängt an zu regnen und die Besteigung wird auf den nächsten Morgen verschoben und wir gehen erst mal shoppen.

Walter fühlt sich inzwischen wieder so weit fit, dass er die kurze Wanderung von 2,5 km optimistisch in Angriff nimmt. Es geht steil bergauf, aber mit einem gemäßigten Tempo und kleinen Pausen schaffen wir den Aufstieg. Auch mal eine neue Erfahrung für mich, da ich sonst die langsamere von uns bin. Die Aussicht oben am Kraterrand ist toll, wir können tief auf den Grund hinunterschauen. Das letzte Mal ausgebrochen ist der Vulkan vor 8000 Jahren, eine akute Gefahr besteht nicht.

Auf unserem weiteren Weg besichtigen wir noch den Taikhaar Chulum, einen unvermittelt aus der Ebene emporragenden Felsen von 16 Meter Höhe. Es gibt viel Touristenrummel um den Stein herum, es wird behauptet, wenn man einen Stein auf ihn wirft, es Reichtum bescheren würde. Ich kann nicht so hoch werfen und begnüge mich damit, ihn am unteren Teil zu treffen, und hoffe das Beste!

Wir fahren weiter nach Kharakorum, der einstigen Hauptstadt Dchingis Khans, von der heute außer zweier Steinschildkröten nichts mehr zu sehen ist. Bei Ausgrabungen ist man allerdings inzwischen auf weitere Überreste gestoßen, eine Rekonstruktion von Teilen der Stadt ist geplant. Eine Nachbildung des silbernen Baumes, der vom Pariser Goldschmied Guillaume Boucher geschaffen wurde, ist am Eingang des Museums in Kharakorum zu sehen. Zu festlichen Anlässen ergossen sich berauschende Getränke aus den Zweigen. Eine Abbildung des Baumes befindet sich auch auf den 10.000 Tugrik Scheinen.

Aus den Überresten der Gebäude der einstigen Hauptstadt sind übrigens große Teile des 1586 gegründeten Klosters Erdene Zuu errichtet worden. An dessen Mauer kampieren wir.

Das Kloster besichtigen wir am nächsten Morgen.

In den Tempeln sind wieder viele farbenprächtige Figuren, Gegenstände und Wandgemälde zu sehen.

Natürlich gibt es auch ein reichliches kommerzielles Angebot für die Touristen…

Eigentlich wollten wir weiter durch das Orkhon Valley fahren – ein UNESCO Weltkulturerbe –  aber irgendwie haben wir nicht die richtige Piste erwischt und landen etwas weiter östlich amSee Ogii Nuur.

Wir sind auf dem Weg nach Ulan Bator und übernachten bei der kleinen Sanddüne Moltsog Els. Eine zauberhafte Gegend mit einer tollen Sonnenuntergangsstimmung.

Der Verkehr ist mörderisch und wir brauchen 4 Stunden, bis zum Gästehaus OASIS. Als erstes fahren wir in die Stadt zum Change Market, um Rubel für unseren Turn durch Russland einzutauschen. Da wir kein Taxi bekommen können, machen wir es wie die Einheimischen und halten an der Straße ein Auto an. Gegen ein geringes Entgelt werden wir zum gewünschten Ziel gebracht. Anschließend besuchen wir noch das große Kaufhaus „Independant Store“ und ich stöbere lange in der Cashmere Abteilung herum, leider ohne etwas Passendes zu finden.

Am nächsten Tag steht noch das Dschingis Khan Museum auf dem Programm. Ein tolles neues Gebäude mit Exponaten auf 7 Stockwerken. Unzählige Relikte wurden zusammengetragen und erzählen die Geschichte des Mongolischen Reiches vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die Neuzeit. Eine Beschreibung zur Herrschaft Dschingis Khans hat uns besonders beeindruckt:

Chinggis Khan, the ruler of the Mongol Empire, is credited by researchers and scientists with the following. He was a contributing founder of the world as we know it today. As of now, there are no other people who defined and led the course of two centuries, specifically the 13th-14th centuries, like the Mongols under the leadership of Chinggis Khaan. The speed of Chinggis Khan then can be compared to the speed of the internet today with the Mongols mastering the most advanced technology of the time and creating and organizing a powerful military force. Chinggis Khan laid the foundations of a great transcontinental empire and made fundamental changes that pushed forward global progress in foreign relations, trade, finance, road systems, and technology.

Den nach ihm benannten Platz besichtigen wir ebenfalls. Direkt nebenan ist das riesige neue Gebäude von „Gobi Cashmere“ und ich muss mir auch noch deren Kollektion anschauen. Eine unglaubliche Auswahl an Kleidung wird angeboten, aber auch hier werde ich nicht fündig. Am liebsten hätte ich nur Wolle gekauft, die wird aber hier nirgends angeboten, schade!

Auf dem Rückweg haben wir ein Fahrerlebnis der besonderen Art: Die Straßen sind total verstopft, nichts geht mehr. Wir stehen im Stau und urplötzlich biegt der Fahrer in eine Nebenstraße ab und in wilder Fahrt geht es parallel zur Hauptstraße auf unbefestigten Wegen und Gassen durch die Wohngebiete- abenteuerlich! Was sich abseits der Hauptstraße  zwischen Neubauten, halbfertigen Gebäuden, verfallenen Häusern und vermüllten Grundstücken verbirgt, ist total spannend. Wir erreichen tatsächlich unversehrt das Gästehaus. Wir verbringen den restlichen Tag damit, das Auto innen wie außen fit für die nächsten Tage und den Grenzübergang zu machen.

Am nächsten Tag fahren wir bis kurz vor die mongolische Grenze und übernachten in einem kleinen Wäldchen, dessen Schatten bei 36 Grad höchst willkommen ist! 

1 Kommentar zu „Mongolei

  1. Avatar von mullricha7b1c554fe
    mullricha7b1c554fe Juli 26, 2024 — 10:08

    Großartiger Bericht über die Mongolei, von deren geographischen Vielfalt ich keine Ahnung hatte. Tolle Bilder und sehr interessanter Bericht. Freue mich so sehr für Walter, dass er wieder schrauben und hämmern kann, als wäre nichts gewesen (…). Sieht auf jeden Fall sehr dynamisch aus – oder die Fotografin ist einfach gut. Interessant auch, dass die Mongolen Dhingsi khaan so dermaßen vergöttern. Sie haben ja auch recht, dass er bzw. seine Zeit Kontinente miteinander verbunden hat. Auf seine ganz besondere Art, die einen sicherlich erschaudern lässt. Wunderschön auch die vielen Landschaftsaufnahmen und -beschreibungen. Weiterhin gute Fahrt!

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